Adolf, am Arsch!

Dresden ist anders, Berlin dafür krasser. Und Hamburg, Hamburg ist am Arsch! Seit 60 Jahren steht im Hamburger Panoptikum der ultimative Führer, Adolf Hitler, als Wachsfigur herum, ohne das er auch nur einen Kratzer abbekommen hätte. Der Chef des ältesten Wachsfigurenkabinetts Deutschlands, Hayo Faerber, weiß zu berichten, dass “die meisten Besucher keine Probleme” mit dem GröfaZ haben. Wieso auch, die Russen sind ja auf der richtigen Seite der Elbe zum Stehen gekommen und Juden gibt es ja auch kaum noch in der Hansestadt…

Berlin dagegen, Berlin fickt alles. Sogar Adolf Hitler. Der zweite Besucher der heute neu eröffneten Berliner Filiale von Madame Tussauds hat mal so mir nix dir nix, nicht einmal zwei Security-Leute konnten ihn dabei aufhalten, dem Adolf um einen Wachskopf kürzer gemacht. “Endlich hat ein Hitler-Attentat geklappt“, begrüßte Henryk M. Broder das energische Eingreifen des 41-jährigen Berliners. Selbst der Berliner SPD- Abgeordnete Frank Zimmermann konnte seine klamheimliche Freude kaum verbergen: “Es ist schon eher eine Kunst, Hitler den Kopf abzureißen, und weniger eine Kunst, Hitler überhaupt aufzustellen“. So sieht es aus…

Ob Zimmermann uns dabei hilft, eine Kampagne für die Straffreiheit des Aktionskünstlers auf die Beine zu stellen? Da das Attentat um Jahrzehnte zu spät kommt, kann man doch zu Recht auf Straffreiheit wegen Verjährung appelieren…

Eine Einzelfallprüfung…

Während sich im Prenzlauer Berg gerade die versammelte schwäbische Designerschaar gegen den Yuppie-Vorwurf mittels einer Plakataktion unter der Überschrift “Protokolle der Weisen von Stuttgart” (1) wehrt, verwechselt Spiegel Online die Auflösungserscheinungen der FARC im kolumbianischen Dschungel mit einer israelischen Kommandoaktion. Um in dem Dickicht aus Lügen, Verdrehungen und eiskalten Verschwörungen den geheiligten Himmel noch zu entdecken, braucht es kluge Köpfe mit noch klügerern Gedanken inside, einer davon ist Jenz Steiner, der selbsernannte King vom Prenzlauer Berg:

Zum besseren Verständnis für Aussenstehende: In Berlin hat sich das Wort “Schwabe” als Synonym für einen gewissen Schlag Menschen eingebürgert, der für Bohemian Bourgeois, für Schnösel, Yuppies, Agenturfutzies und hippe Neureiche gleichermaßen benutzt wird. Das ist nicht auf meinem Mist gwachsen. Der Begriff ist inzwischen vollkommen losgelöst von Menschen mit Wurzeln im Schwabenland. Bemerkenswert ist aber, dass jeder vernünftige Berliner beim Hören des Wortes “Schwabe” im übertragenen Sinn stets ein klares Bild eines Menschen im Kopf hat, der nicht gleich zwingend die schwäbische Mundart beherrscht. Mittlerweile geht es mir sogar selbst auf die Nerven, wenn ich das Wort höre.

Nicht das Jenz Steiner einfach nur als Kind etwas zu heiß gebadet wurde, nein er rappt auch noch gar widerlich. (Continued)

Die Auschwitzkeule wechselt die Seiten…

Wenn du die Meinungs- und Redefreiheit verteidigst, antworte ich mit Auschwitz, so ungefähr kann man ein Streitgespräch zwischen Matthias Matussek und Michel Friedman zusammenfassen, welches derzeit bei Spiegel Online auf der Startseite einen prominenten Platz gefunden hat. Am Anfang dreht sich das Gespräch noch um das Hickhack, was die Absetzung von “Idomeneo” durch die Intendantin der Deutschen Oper Berlin, ausgelöst hat, doch recht schnell wird das Gespräch allgemein. Der deutsche Moralist Matussek würgt dabei recht früh eines von Friedmans Argumenten mit einem neuen rhetorischen Kniff ab, der in Deutschland wohl bald die Runde machen wird:

Frage: Im Ernst: Lassen wir uns nicht durch Fundamentalisten unsere freiheitlichen Werte kaputtmachen?

Matussek:
Das sagt ja Friedman: Wir dürfen nicht zurückweichen. Ich will Ihnen jetzt was sehr Ernstes sagen: Religion ist das Innigste, was der Mensch hat. Mit ihr entscheidet der Mensch sein Verhältnis zur Welt, zum Leben. Religion ist ein sehr, sehr sensibler Raum – der zu schützen ist. Jeder sollte es sich zweimal überlegen, ob er das Sensitivste des Menschen beleidigt.

Friedman: Schön, aber: nur eines gläubigen Menschen. Denn, wie Sie das sagen, könnte man meinen, wir lebten noch im Mittelalter, wo alle bedingungs- und gedankenlos lebten. Das ist aber nicht mehr so. Es gibt für gläubige Menschen tatsächlich einen Respektraum. Der darf aber nicht dazu führen, dass Menschen, die nicht glauben, nicht mehr kritisch mit Religion umgehen können.

Frage: Noch mal zurück zum spezifischen Fall: Ist es, Herr Friedman, nicht das geringere Übel, eine Karikatur nicht abzudrucken – auch wenn ich dabei vielleicht unsere freiheitlichen Werte untergrabe –, wenn auf der anderen Seite das Risiko steht, dass Menschen ihr Leben verlieren?

Friedman: Man muss es sehr genau und verantwortungsbewusst abwägen. Aber: Das sind ja nun Präzedenzfälle, die nicht nur religiös bedingt sind. Wenn jemand etwas ausdrücken will, es aber nicht kann oder darf, weil es eine Gewaltreaktion der Gruppe gibt, die es betrifft, dann können wir aufhören, zu reden, was wir denken. Zwar muss es für bestimmte Bereiche auch Konsequenzen geben dürfen, aber grundsätzlich gilt: Wenn jemand etwas sagen will, muss er es sagen dürfen.

Matussek: Wie ist das, wenn ich sagen würde: Auschwitz hat es nicht gegeben.

Friedman: Dann müssen Sie das sagen dürfen, wissen aber um die gesetzlichen Konsequenzen, die das für Sie haben wird.

Matussek: Sie würden also das Strafgesetzbuch bemühen, um mir die Klappe zu verbieten …

Friedman: … nein, nein …

Matussek: (wird laut) Aber sicher! Ich würde dafür in den Knast gehen. Also: Redefreiheit hat ihre Grenzen. Ich finde, es gibt Dinge, die darf man nicht sagen.

Friedman: Und ich finde, bevor jemand etwas im kleinen Kreis verbreitet, soll er es lieber in der Öffentlichkeit sagen. Die Gesellschaft muss es hören können!

Nochmal langsam, ein christlicher Fundamentalist verteidigt den Wahn islamistischer Terroristen gegenüber einem jüdischen Journalisten mit dem Verweis darauf, dass man in Deutschland für die Leugnung des industriellen Massenmordes an den Juden vor Gericht gestellt wird, dies ist ein Präzidenzfall. Und zwar einer, der deutlich macht, dass die intellektuellen Deutschen ihre (Nazi-)Geschichte nun gegen jene richten, die als Nachfahren der Opfer sich dem neuen deutschen (Appeasement-)Wahn widersetzen, nur um vermeintlich die eigene Haut zu retten. Aber dass soll ja noch nicht alles sein:

Matussek: Sie sagen, Meinungsfreiheit sei grenzenlos.

Friedman: Nein, das habe ich nicht gesagt. Meinungsfreiheit ist ein Wert an sich, der in Konflikt mit anderen Werten steht. Jeder muss für sich selbst entscheiden können, welchen Wert er persönlich höher stellt – soweit er auch zur gesellschaftlichen Konfrontation bereit ist. Übrigens: Vor hundert oder 200 Jahren hätten Dinge, für die Sie heute auf die Barrikaden gehen würden, nie gesagt werden dürfen. So verändert sich das Tabu in der Gesellschaft. Wer also enttabuisiert, setzt Gedankenprozesse in Gang. Auch wenn diese weh tun, das muss möglich sein.

Matussek: Ach, das ist mir alles zu kompliziert …

Friedman: … tja, das habe ich vom SPIEGEL gelernt, kompliziert zu argumentieren! (lacht)

Matussek: … auf der einen Seite sagen Sie: Alles muss gemacht werden dürfen, auf der anderen reden Sie von gesetzlichen Konsequenzen. Das ist der Widerspruch, den Sie nie auflösen werden können. Ich darf nämlich zum Beispiel nicht sagen: Man soll die Juden ermorden.

Friedman: Doch! Sie dürfen es sagen. Sie müssen nur die Konsequenzen daraus ziehen.

Matussek:
Moment, also – erstens werde ich es nicht sagen, und zweitens: Wenn die Sanktion des Strafgesetzbuchs existiert, wenn ich dafür bestraft werden kann, ist doch meine Freiheit nichts wert.

Mit dem Verweis darauf, dass er nicht ungestraft Auschwitz leugnen und zum Massenmord an Juden aufrufen kann, verteidigt Matussek die Einschränkung der Redefreiheit im Falle der Oper “Idomeneo”. Er würde die Oper absetzen, da er sich gar nicht ausmalen möchte, was dann in der Westbank passiert. Komischerweise sind die religiösen Eliten bzw. Stätten der Islamos eigentlich nicht in der Westbank angesiedelt. Dort lebt nur jener Teil der religiös-politischen Fanatiker, vor denen Matussek zumindest Angst, womöglich aber auch Respekt hat, da sie ja den Massenmord an den Juden zumindest versuchen in die Tat umzusetzen…

Das Friedman sich in dem Interview eher lasch aus der Affäre zieht, ist auch ein Teil des Problems. Man braucht nicht wirklich tief in die Trickkiste zu greifen um auch dem cholerischen Kulturdeppen Matussek verständlich zu machen, dass aufgrund der Einmaligkeit der Shoa es sich nicht anbietet die Leugnung dieser ungläubligen Bluttat als Akt der Redefreiheit zu verbrämen. Doch dazu war weder Friedman, noch Raphael Geiger, der das Interview führte, in der Lage, und genau deshalb wird die Auschwitzkeule in Zukunft wohl verstärkt aus einer ganz anderen Richtung kommen…

The Vice Guide to…Antiimperialism?

Hip, Hipper, Hipster! Das VICE Magazine ist international die Bibel für den urbanen Bohème mit hedonistischem Hang zu Drogen, öffentlichem Sex, bunten Formen und Farben und stylischer Inhaltslosigkeit. Pro Seite ein visueller Overkill, ein Paar Pimmel von Terry Richardson, ein großer Haufen intersexueller Anzüglichkeit und wenn überhaupt ein 10-zeiliger Gonzo-Artikel. Was solls…der Hipster ist zufrieden und immer informiert über Sonderangebote bei American Apparel. Dachte man zumindest nach Büchern, wie dem Vice Guide To Eating Pussy oder demselben Guide to Sex, Drugs and Rock’n'Roll, die zwar auf dem Küchentisch bei Muttern Stirnrunzeln auslösen würden aber sonst nicht zu schockierend sind und gerne mal kurz vor Witzig bei Lächerlich links abbiegen. Politisch ist das Magazin nicht…bei soviel Selbstbewusstsein und DIY-Ethos schimmert natürlich hier und da ein bisschen Keller-Romantik durch aber mehr nicht.
Wenn’s aber soweit ist, gibt es keine Überraschungen: deutsch bleibt deutsch, da helfen keine Pillen.

Neues und Bekanntes…

Das sich gerade in Onlineforen viele Menschen sammeln, die man bei Tageslicht keine drei Meter an sich heran lassen würde, sollte eigentlich bekannt sein. Die Dunkelziffern im gesamten Web dürfte dabei noch weitaus höher liegen, weshalb die bösen Buben des Bad Blogs anonym agieren, da offene Visiere bei Glücksrittern wie uns mitunter ganz schnell zu blauen Augen führen können. Doch genau dieses Unterfangen führt wiederum zu dem komischen Bedürfnis uns doch endlich einmal die (Hollywood)-Maske vom Gesicht zu reißen bzw. wenigstens den einen oder anderen persönlichen Liebling derart zu diffamieren, dass er, sie oder es darauf entsprechend reagiert.

Im Berliner ADF-Forum wird dieser Job erfolgreich von dem Moderator Acess Denied übernommen. Relativ früh hat er sich schon als unsympathischer Zeitgenossen geoutet, ebenso schnell entpuppte er sich als mittelmäßiger Schachspieler, aber am besten ist er immer noch in der Rolle des schlechten Verlierers. In letzter Zeit versucht er uns nun ans Bein zu pinkeln, doch bisher hielten wir es für angebracht ihn lieber ab und zu virtuell beim Schach zu schlagen anstatt öffentlich seinen Urin zu analysieren um ihn anschließend ihm dann um die Ohren zu hauen. Doch aktuell stänkert das fränkische Schlüsselloch den Falschen an…

Auf eine Veranstaltungsankündigung des Bloggers Edward Gran reagiert der linke Blogwart als hätte er es noch in der DDR gelernt mit der denunziatorischen Frage im äußerst gewöhnungsbedürftigen Kumpelslang: “Wieviel Accounts hast du eigentlich hier?” Eine Antwort unsererseits darauf würde dem neu und gierigen Verschwörungstheoretiker wahrscheinlich all die morgendlich verspeiste Kleie aus dem Rachen schießen lassen, weshalb wir vorsorglich darauf verzichten. Aber Edward G. behielt die Kontenance und fragt höflich nach, warum dies eigentlich von Interesse wäre, nachdem er ordnungsgemäß antwortete, dass er nur einen Account sein eigen nennt…

Acess Denied reichte dies nicht aus, seine Spürnase roch Ungereimtheiten an, also hakte er wild entschlossen nach: “Team Bad Bloq doch auch? Bin nur neugierig“…

Ganz ehrlich, neugierig sind wir auch, und zwar ob die Moderatoren des ADF noch bei der Stasi ausgebildet wurden, oder ob es sich bei Acess Denied einfach nur um einen verdammt gewitzten Spitzel aus dem Hause Schäuble handelt. Sein Interesse die Accounts im ADF-Forum gewissen Leuten zuzuordnen kann nur zwei Gründe haben, entweder er verdient damit schmutziges Geld, oder er arbeitet so seine psychischen Problem ab. In beiden Fällen wünschen wir gute Besserung…

Dem geneigte Publikum wollen wir hier natürlich nicht die Antwort von Edward G. vorenthalten:

“Nun ja - wie ich dem “bad blog” entnehmen konnte, schreibt die offensichtlich von Dir erwähnte Person unter “Edward E. Nigma” also ohne “G.” (und wofür das G. bei mir steht, sollte eigentlich bei der Ansicht meines verlinkten blogs klar werden - nämlich für Gran, d.h. Edward Gran).”

Schreibt euch das hinter die Ohren!

PS: Tony Montana im ADF-Forum ist nicht identisch mit dem Bad Boy Tony Montana. Notieren und weiterleiten, Acess Denied, unbedingt notieren und weiterleiten…

Zirkumflexs Märchenstunde…

Die Vergesslichkeit der Menschen gegenüber Menschenrechtsverletzungen anzuprangern ist ein Schwert welches gerne in der Hand geführt wird, wenn es darum geht etwas moralisch zu evozieren, was man mittels einer logischen Argumentation nicht wirklich erreichen kann. Diese Tour versucht gerade der Blogger Zirkumflex indem er in einem anti-chinesischen Artikel behauptet, dass niemand auf der Welt sich um die unterdrückten Uiguren kümmert, wobei jene doch genauso schlimm unterdrückt werden wie die z.B. die Tibeter.

Die Angst der chinesischen Offiziellen vor islamischen Terroranschlägen dichtet der Autor um, in eine Strategie die gesamte Bevölkerung wahllos zu malträtieren, da bekanntlich Kommunisten so gerne Menschen unterdrücken. Nun mal gänzlich davon abgesehen, dass in der Volksrepublik China kein Kommunismus herrscht, negiert Zirkumflex komplett die Gefahr islamischer Anschläge. Um dies dem Leser plausibel zu machen, betreibt er selbst eine Strategie die er kurz zuvor angeprangert hatte: Er baut auf die Vergesslichkeit seiner Leser indem er behauptet, dass die Verbindung zwischen Al Qaida zu den uigurischen Islamisten nur auf Vermutungen basiert:

“Immer wieder war es in der Provinz zu Anschlägen gekommen, man vermutet bei den uigurischen Aktivisten eine Nähe zu Al-Qaida. Daher verhaftet(e) man in der Provinz willkürlich jeden Verdächtigwirkenden; erst im März war ein uigurischer Geschäftsmann in der Haft “verstorben”. Des Weiteren verbot man das Tragen des Schleiers.”

Woher Zirkumflex die Information hat, dass willkürlich jeder der nur den leisesten Verdacht erweckt verhaftet wird und arme Geschäftsmänner in der Haft versterben, verrät er uns nicht. Ebenfalls wird dem Leser suggeriert das Geschäftsmänner natürlich niemals Terroristen sein können, wobei der Chef des Jihads persönlich, Osama Bin Laden, als Geschäftsmann den international vernetzten Terror überhaupt erst ermöglichte. Doch die Krönung ist das Insistieren darauf, dass das Tragen des Schleiers, im Namen der universalen Menschenrechte, in China doch bitte ermöglicht werden sollte…

Geht`s noch? Da freut man sich, als Universalist, dass das Verbot des Schleiers in der Türkei halbwegs wieder hergestellt wurde, um dann kurz darauf zu lesen, dass irgendein angeblich ach so Liberaler den chinesischen Offiziellen vorwirft, dass diese die Freiheit ihrer Bürger beschränken, wenn sie ihnen verbietet mit dem Stoffetzen im Gesicht herumzumarschieren? Ich glaube es hackt!

Da lob ich mir den Tagesspiegel, der es schafft, trotz liberaler Brille eines, dann doch festzuhalten:

Militante Islamisten mit Bezügen zu Al Qaida und Taliban sind seit Jahren in China aktiv. Betroffen ist vor allem das riesige „Autonome Gebiet“ Sinkiang im Nordwesten, in dem mehr als acht Millionen muslimische Uiguren leben.

Berndt Georg Thamm, Publizist und Referent für Weiterbildung zum Thema Dschihad-Terrorismus für Polizei und Bundeswehr, hat in einem Interview mit Ramon Schack diese Angaben bestätigt:

SZ: Hat man denn im Westen den Dschihad noch nicht als ein globales Problem erkannt?

Thamm: Noch nicht im erforderlichen Ausmaß. Den 11. September sah man im Westen als eine Kriegserklärung, die nur dem Westen galt. Dabei hatte der Dschihad schon viel früher begonnen. Die Hauptschauplätze liegen in Asien und in islamischen Ländern. Russland und China sind potentiell bedroht.

SZ:
Inwiefern?

Thamm: Indem sich Dschihadisten in Asien der Strategie der Islamisierung ethnischer Konflikte bedienen. In China nutzen Islamisten den Konflikt sunnitischer Uiguren und anderer muslimischer Turkvölker mit Peking aus, in Russland den Konflikt sunnitischer Tschetschenen und anderer muslimischer Völker des Nordkaukasus mit Moskau. Der Westen leistet leider diversen Vertretern dieser Gruppierungen Schützenhilfe und unterstützt damit indirekt die Dschihadisten.

SZ: Allerdings nutzen ja auch China und Russland den Kampf gegen den Terror, um Menschenrechtsverletzungen in den betreffenden Regionen zu begehen und zu kaschieren.

Thamm:
Bei dem Buch handelt es sich aber um eine Schilderung des Kampfes gegen den Dschihad aus der Perspektive der erwähnten Staaten. Außerdem ist die westliche Menschenrechtsrhetorik oftmals heuchlerisch. Mit Guantanamo hat der Westen sich selbst nicht gerade ein menschenrechtliches Markenzeichen ausgestellt.

SZ: Warum spielt Zentralasien eine Schlüsselrolle beim Kampf gegen den Dschihad?

Thamm: In den Staaten Zentralasiens sind zahlreiche dschihadistische Aktivitäten zu beobachten. Sowohl aus dem Nahen Osten als auch aus dem Kaukasus und Afghanistan erhalten diese Kreise Zulauf und Unterstützung. Darüber hinaus sind mittlerweile Dschihadisten der turkistanischen Islamischen Dschihad Union in der Region vertreten, die mit Hilfe der al-Qaida ihren Einflussbereich durch Islamisten aus Europa, auch aus Deutschland, erweitern. Inzwischen hat diese Islamische Dschihad Union ihren Einflussbereich massiv ausgebaut. Wir erinnern uns, erst im September war Deutschland nur knapp Anschlägen eines Ablegers, eben jener ursprünglich aus dem pakistanischen Waziristan stammenden Dschihad-Union aus dem Sauerland entgangen.

SZ: Ist man sich in Deutschland der Gefahr bewusst?

Thamm: Israelische Experten staunen immer wieder, wie gelassen, gemessen an dem realen Bedrohungspotential, die deutsche Öffentlichkeit dieser Herausforderung begegnet. Die Israelis arbeiten übrigens aktiv mit den chinesischen und russischen Experten zusammen.

Bleibt noch die Frage, wann endlich auch prowestliche Liberale ihren penetranten Hang zur Einseitigkeit in der Bewertung von Konflikten in und um China herum aufgeben…

Edit: In einem Update treibt es Zirkumflex nun noch bunter: Er beklagt, dass die Muezzine keine Lautsprecher benutzen dürfen um zum Gebet zu rufen und Jugendliche unter 18 nicht in die Moschee dürfen. Dies ist wirklich ein Armutszeugnis…

Es geht um Israel…

Es kam, wie es kommen musste, nachdem einige naive Zeitgenossen die Illusion verbreiteten, dass man um einer fruchtbringenden Debatte willen den “institutionellen Rahmen” der Linkspartei bzw. deren Parteijugend nutzen sollte, um im Herzen der kaltblütigen Bestie vielleicht doch noch ein wenig Empathie für den Befreiungskampf der Israelis gegen den eliminatorischen Islamismus zu entdecken bzw. zu wecken, ist nun das Basiscamp für diese wahnwitzige Mission zum Schweigen gebracht worden. Und zwar von der eigentlich zu bekehrenden Parteijugend mittels eines lapidaren Tagesbefehls… (Continued)

Schwarzbrot für Schwarzafrika!

Als Bösewicht auf diesem Blog hat es man in der ausgesuchten, aber auch unfreiwilligen Recherche mit den Guten dieser Welt zu tun. Weil diese Guten in ihrer Parteinahme für die Unterdrückten und Ausgebeuteten und ihrem Hass auf die Unterdrücker und Ausbeuter die gesellschaftskritischen Grundlagen ihrer Granden verraten und die an Gesellschaftskritik nicht einmal denkenden, wirklich Bösen protegieren. Eigenartig: Obwohl das Leben nicht weniger falsch und das Ganze nicht weniger unwahr ist, scheinen die Guten sogar in der Mehrheit zu sein. Wer macht sich nicht alles Gedanken über den Kampf der Kulturen und den Krieg der Geschlechter? Wer kauft nicht alles Bioprodukte und Energiesparlampen gegen den Klimawandel?

Und schließlich - wer wird nicht alles von Knut findet-alles-gut Elstermann zum Kinomagazin von Radio Eins eingeladen? Jeden Samstag zwischen 12 und 14 Uhr ist der fanatische Fahnder des jungen, deutschen Kinos die erste Adresse für eine Hörerschaft aus junggebliebenen Alt-68ern, Rot-Grün wählenden Gutmenschen-Yuppies und postchristlichen Dekadence-Moralisten sowie für in erster Linie deutsche Filmemacher und Schauspieler mit genau dieser Zielgruppe und genau demselben deutschen Denken.

Heute war der erst zu den Guten konvertierte Christof Wackernagel geladen, seinen neuen Film “Der Weiße mit dem Schwarzbrot” vorzustellen, den die Zitty als “…herrlich politisch unkorrekt, kurzweilig, leicht, humorvoll und subjektiv im besten Sinne” adelte. Dass Wackernagel RAF-Mitglied war und darum 10 Jahre im Gefängnis saß, dürfte schon deshalb bekannt sein, weil er selbst keinen Hehl daraus macht. (Continued)

Bewährung für Adolfs Rapper…

Reim dich, oder ich schlag dich, so ungefähr kann man das Prinzip deutschsprachigen Raps zusammen zufassen. Da es den Interpreten meistens um die eigene Triebabfuhr geht, und deshalb auch häufig gesellschaftliche Tabus zur Zielscheibe des hochnotpeinlichen Pennälerhumors mutieren, ist es immer nur eine Frage der Recherche ob, und vor allem wann man auf die wahren Perlen des Genres stößt. Dem österreichischen Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung ist eine solche Perle vor einiger Zeit ins Netz gegangen. Bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung eines jungen Bauarbeiters aus Mühlviertel wurden mehrere hundert Raptexte, zum Teil schon vertont, die alle extrem nationalsozialistische Bezüge aufwiesen, aufgefunden.

Die Staatsanwaltschaft veröffentliche nur drei Auszüge aus dem volkstümlichen Liedgut des Bauarbeiters: „Ich schicke Busse voll mit Homos nach Mauthausen!“, „Einmal auf der Streckbank und du wirst nie wieder ein Homo sein!“, oder „Ich bin Hardcore wie Adolf Hitler. 1945 machte ich den Führerschein!“. Der zuständige Staatsanwalt, Rainer Schopper, erkannte zwar, dass der jugendliche Bauarbeiter „die Tötungsmaschine des Dritten Reiches verherrlicht“ und „sein Gewaltpotenzial verbal umgesetzt“ hat, beließ es aber bisher bei einer Geldstrafe von 2000 Euro und einer neun monatigen Bewährungsstrafe(1).

Wie es dazu kommen könnte ist noch etwas unklar. Womöglich aber war die Einstufung einer völlig unfähigen Psychiaterin, die den Angeklagten als zurechnungsfähig, aber im höchsten Maße „narzisstisch“ einstufte, die Grundlage für diese Justizfarce. In ihrer Auswertung heißt es lapidar: „Provokation war sein erklärtes Ziel“. Das eigentlich jeder Mensch eine narzisstische Kränkung sein eigen nennen darf, scheint der Dame mit dem Doktortitel niemand während ihres Bummelstudiums beigebracht zu haben. Ebenfalls scheint sie nicht zu wissen, dass heutzutage der Begriff Narzissmus innerhalb der psychoanalytischen Theorie völlig unterschiedlich genutzt. Erich Fromm, zum Beispiel, bezeichnet Narzissmus als Gegenpol zur Liebe und unterscheidet neben dem Narzissmus des Einzelnen auch den Gruppennarzissmus (Patriotismus bzw. Fanatismus). Man könnte also man mit Recht behaupten, dass die anstehende Fußball-Europameisterschaft, den Narzissmus in Form von fanatischem Patriotismus und Nationalismus auf die Spitze treibt und weit über die Hälfte der deutschsprachigen Menschen erfassen wird? Sie die dann alle nicht mehr zurechnungsfähig? Ja, klar, aber ebenso auch vor dem Gesetz? Ich glaube wohl kaum…

Schlußendlich ist es doch wohl so, dass der Otto-Normal-Narzisst der einfach nur provozieren will, nicht zu Hause im stillen Kämmerlein hunderte nationalsozialistische Rapsongs produziert, sondern die TV-Karriere anpeilt um dann als Pocher-, Bohlen- oder Kader Loth-Verschnitt zu enden. Da die meisten dies nicht erreichen, sitzen sie ab Freitag gemeinschaftlich vereint im Public Viewing Bereich oder werden - mit viel Glück - nach Sidos Absprung von Aggro Berlin gesignt.

Anmerkungen:

(1) Bei einer Bewährungsstrafe geht man von der Erwartung aus, dass schon die Verurteilung zur Warnung dient und der Übeltäter künftig keine Straftaten mehr begehen wird. Fraglich ob bei einem nationalsozialistischer Working Class Rapper solch ein Warnschuß überhaupt ankommt…

Spaß ist, was wir draus machen…

Assi go home! Langeweile kann manchmal den Verstand kosten. Am vergangenen Sonntag torkelten rund 300 Idealisten durch den Prenzlauer Berg um ihr Unverständnis über die strukturellen Veränderung in dem ehemaligen Arbeiterviertel kund zu tun, damit ihnen dabei nicht langweilig wird, war die Polizei ebenfalls vor Ort. Ihre zentrale Parole “Fuck Yuppies” kramten die jugendlichen Berufsdemonstranten ebenso wie ihre Kleidung aus dem schon mehrfach geplünderten Fundus der Altautonomen. Und ganz wie ihre Vorbilder aus den 70er Jahren ist trotz einiger Transformationen der antisemitische Gehalt der Parole erhalten geblieben:

Bubis wird in den Frankfurter Häuserkampf verwickelt: Er gehört zu den Investoren, die für Immobilienprojekte im Frankfurter Westend die Genehmigung der Stadt erwirken, die ursprüngliche Bebauung abzureißen. Bis zu ihrem Abriss vermieten Bubis und seine Partner die Häuser kurzfristig an Studenten. Diese erklären die Häuser für besetzt und weigern sich, sie zum Abriss freizugeben, unterstützt durch Bürgerinitiativen und Politiker. Bubis gerät ins Schussfeld der öffentlichen Kritik und der Medien, er wird als “skrupelloser Spekulant” dargestellt. Er selbst charakterisiert die Kampagne, die sich vornehmlich gegen jüdische Unternehmer richtet, als “Antisemitismus aus der Richtung der politischen Linken”. Erst im Februar 1974 werden die Gebäude schließlich geräumt, Auseinandersetzungen zwischen Studenten und Polizei folgen. Bubis verliert durch die Ereignisse fast sein gesamtes Vermögen und muss das Projekt im Westend verkaufen. Während des Konfliktes legt Bubis seine Ämter in der jüdischen Gemeinde nieder.Quelle.

Zwar ist nicht mehr hauptsächlich der einzelne Spekulant das Objekt der linken Begierde, stattdessen rücken nun die Bewohner der Immobilienprojekte ins Visier der selbsternannten Kiezmiliz. Arthur Schopenhauer meinte einmal dazu, dass “in Deutschland die höchste Form der Anerkennung der Neid” ist, doch auf die Anerkennung meines Werdeganges via eines abgebrannten Autos kann nicht nur ich verzichten. Was schon vor zehn Jahren galt, nur weil man einen BMW oder Mercedes fährt - selbst in Kreuzberg - ist man noch lange kein Bonze, verstehen die Pseudo-Radikalinskis von heute einfach nicht. Ihre geistige Armut aka ihr Neid lässt sie derart dumm aus der Wäsche schaun, das sie sich genötigt sehen, mittels gezielter Brandstiftung, langweiliger Latschdemos und hässlicher Graffitis ihr Selbstwertgefühl wenigstens etwas wieder aufzurichten. Manchmal geht das dann zum Teil soweit, dass auf frisch sanierte DDR-Plattenbauten im Prenzlauer Berg die Anti-Yuppies-Graffitis auftauchen, obwohl nur Menschen mit WBS (Wohnberechtigungsschein) in jenen ostzonalen Arbeiterschließfächern wohnen dürfen….

Das Berlin ohne die unzähligen Zugereisten längst im eigenen Mief abgesoffen wäre, dass vor zehn Jahren niemand außerhalb von der Hauptstadt eine Straße namens Kastanienallee kannte und dementsprechend auch keine internationalen Spezialitäten in Unmengen dem geneigten Publikum feil geboten wurden (war ja niemand da der so etwas überhaupt essen würde), können die linken Kindergarten-Cops wohl einfach aus gewissen Altersgründen nicht wissen. Ebenfalls scheint die Tatsache, dass es in Ostberlin einmal so aussah, wie noch heute in jenen ostdeutschen Kleinstädten aus denen die tapferen Anti-Yuppie-Fighter geflohen sind, komplett an ihnen vorbeigegangen zu sein. Hauptsache der Feind ist definiert, dann kann auch sofort die Direkte Aktion zur Stabilisierung des eigenen Über-Ich starten. Ob das nun gesellschaftlich Sinn macht ist dabei völlig egal. So wie es auch egal ist, dass der Wohnungsmangel schon längst Geschichte ist…

Das Berlin, gerade Ostberlin in den letzten 18 Jahren eine Metamorphose vom hochsubventionierten Mauerblümchen hin zur geilsten Ische im janzen Land gemacht hat, ist beinahe ausschließlich den Neuberlinern zu verdanken. Ob nun Hate-Mag, Reclaim the Sparkasse, auch für Menschen betretbare Fußballkneipen oder kulinarische Genüsse aus aller Welt für kleines Geld, beinahe jede Berliner Sehenswürdigkeit ist ein Importprodukt. Selbst der Fernsehturm ist kein waschechter Berliner. Deshalb hier mein gutgemeinter Rat an all die Demonstranten vom letzten Wochenende: Wer Berlin nicht mag, der sollte Berlin verlassen! Und zwar schleunigst…

PS: Auch wenn es gemeinhin auf schwarz-weiß Aufkleber behauptet wird, gibt es keinen, ich betone, wirklich keinen Zusammenhang zwischen Bar25, der hässlichen Maria mit ihrem Überschuß an Brandenburgern oder dem verranzten Köpikomplex…

Lasst uns in Ruhe?

PlakatWenn “Hausbesetzer_Innen, Künstler_Innen und andere Freaks” sich über sogenannte Yuppies in “ihren” Bezirken aufregen, wird’s immer recht pikant. Die eigentlich so welt- und menschenoffenen Linken fordern mit antikapitalistischen Duktus nichts anderes als ihre ganz eigenen befreiten Zonen - die Nazis wollten nicht von dem Anblick eines türkischen Dönerverkäufers behelligt werden, die Anti-Yuppie-Linke will überhaupt nicht behelligt werden. Am Liebsten lebt sie abgeschottet vom Rest der Welt in kollektiv-besetzten Halbruinen zusammen mit ihren Hunden in ranzigen Jugendclubs (oder in ranzigen Jugendclubsurrogats) mit Billigkaffe und Vokü. Es gibt wohl Leute, die zwar jeden der eine muslimische Zwangsehe nicht als Menschenrecht ansieht als Rassisten beschimpfen, selber aber nie aus der Trickfilmwelt ihres Kiezdorfes herauskommen und höchstens zu irgendeinem Krawallaufmarsch mal die hiesige Stadt verlassen. Bei manchen definiert sich die eigene Weltoffenheit scheinbar dadurch sich einmal im Jahr beim Karneval der Kulturen zu besaufen oder Capoeira zu lernen, die antikapitalistisch-korrekte Alternative zu bösem Yuppiesport in hygienischen (pfuiii!) Kommerzmuckibuden.

Eine teilweise berechtigte Kritik an diversen Stadtplanungsprojekten, die keinen Hehl daraus machen, dass bestimmte Menschengruppen nicht mehr im Zentrum einer Weltstadt erwünscht sind und abgeschoben werden sollen, kriegen sie aber nicht auf die Reihe. Sie sind praktisch nur mit ihrem eigenen prekären Selbst beschäftigt. Distinktion ist das große Stichwort, die Gruppe ist da jetzt muss sie nur noch abgeschottet werden. Bei dem uralten Anzugträgerfeindbild “Yuppie” bleibt es ja nicht, für die Kiezlinken sind längst auch die ausländischen Touristen eine bedrohliche Zersetzungsgefahr, die scheinbar genau wie die Yuppies “gefickt” gehört.

Kritik ist ihnen ein Fremdwort, stattdessen wird gemault und genörgelt wie am Stammtisch, darüber das jetzt alles den Bach runtergeht und früher alles rosarot und einfach war. Die Aufrufe lesen sich immer gleich: “Lasst uns in unserem linken Mief in Ruhe!” Immer wieder offenbaren sie wie wenig sie die Realität interessiert: randalierende Jugendliche sind da auf einmal nicht mehr akzeptiert und an allem ist wahrscheinlich die New Economy Schuld. Aus solchen theoretischen Eigenwilligkeiten und einer so ausgeprägten Meckpomm-Mentalität kann sich natürlich kein aufklärerischer Aufruf speisen: inhaltlich lahm, strotzt auch noch alles vor infantilen Neologismen. Außerdem: wer seinen Bezirk nicht verlässt und den Amerikanern wahrscheinlich die Pest an den Hals wünscht, sollte vielleicht auf englische Plakate verzichten. In einem lächerlichen Schulenglisch und mit einer undenkbaren deutschen Arroganz wird da nach “leftwing freespaces” gerufen. Selbst 15-jährige DDR-Zöglinge mit Zwangsrussisch, abgeschottet vom Rest der Welt konnten “Rappers Delight” in ein Mikro rappen ohne ein einziges Wort zu verstehen. Die Yuppie-Hater im 20. Semester fordern mit einer selbstverständlichen Inkompetenz “leftwing freespaces” und meinen damit nicht mehr als eine von links befreite Zone Berlin ohne Vielfalt, ohne Touristen und ohne geweißte Fassaden.

From New York to GDR…

Es war irgendwann Ende der 80er Jahre als auf einmal in meiner Polytechnischen Oberschule Breakdance AGs angeboten wurde. Ungefähr zu gleichen Zeit sah ich den Film Beat Street gemeinsam mit meiner gesamten Klasse. Doch dies war eigentlich schon das Ende des Anfangs. Die DDR-Kulturfunktionäre umarmten aufs Herzlichste eine Subkultur, die aus dem kapitalistischen Ausland kam…

Im Sommer 1989 kam es zur ersten großen Rap-Jam in der DDR. Zwischen zweitausend und dreitausend Jugendliche und Heranwachsenden fielen damals in mein Heimatdorf, dem beschaulichen Radebeul, ein und feierten eine der schönsten Partys, die ich bis jetzt zu Gesicht bekam. Das heutzutage niemand mehr verstehen kann, wie schön eine Jugend in der SBZ sein konnte, wenn man nicht den ausgetrampelten Pfaden der FDJ folgte, und die Eltern auch nur ein wenig open minded waren, ist dem ganzen Schund al á Sonnenallee zu verdanken.

Wir hatten zwar “nüscht“, aber davon reichlich. Die unzähligen Widrigkeiten waren ein enormer Ansporn für uns Kids, und kein Grund zu resignieren. Dazu waren wir einfach noch nicht alt genug. Stattdessen hat man aus der Not ne Tugend gemacht, so wurden aus Schuhlack die ersten Graffiti gezaubert, aus DDR-Jogginganzügen mittels der Fingerfertigkeiten von Mom ein Adidasanzug geschneidert und mit ein wenig technischer Hilfe von Dad konnte man sogar den DDR-Kassettenrecorder soweit manipulieren, dass es möglich war seine eigenen Rapsongs aufzunehmen. Es ging einiges damals (1,2,3), doch ist dies kaum jemandem bekannt. Weshalb ich hier noch einmal mit Nachdruck auf den Dokumentarfilm “Here we come” hinweisen möchte, damit ihr endlich eure Bildungslücke schließen könnt…